Samstag, Sonntag, 25. / 26. September – Verteilung der Gaben

Zwei Tage in Klologo – es werden Schulsachen, Fußball-Sachen und vor allem die Hygiene-Artikel für Mädchen verteilt.

Im Mädchen-Zentrum haben sich circa 40 Mädchen versammelt. Madeleine, die Leiterin des Mädchen-Komitees, und Séraphin, der Leiter unseres Partnervereins CVD, sprechen zu den Mädchen, betonen die Bedeutung  des Kekeli Mädchenprojektes für die Zukunft: Die Mitarbeit der Mädchen wird erwartet, damit sie den von den Kekeli Togo Projekten gebotenen Weg aus dem Teufelskreis der Armut auch gehen.

Ein wichtiger Teil des Kekeli Mädchenprojektes ist die Monatshygiene. Hebamme Akofa ist für die Aufklärung, Kontrazeption und Verteilung der Kontrazeptiva sowie der waschbaren Binden zuständig.

Dass die Mädchen sich freuen, sieht man an den Fotos! Die binden werden ihnen das Leben erleichtern, und ihnen erlauben, auch während „der Tage“ die Schule zu besuchen!

Die übrigen Mädchen aus Klologo können sich die Binden bei der Hebamme abholen.

Verteilt wurden auch Schulsachen, damit das Schuljahr gut beginnen kann. Die Ferien wurden ja wegen Corona verlängert; am Montag geht es los.

Die Jugendlichen wollen sich auch bei Helmut Bayreuther für die Spende der PCs bedanken, siehe Foto.

Johannes ist gut wieder zuhause angekommen, in Klologo wird schon vermisst! Man hat mir aufgetragen, ihm noch einmal im Namen aller herzlich für seine tolle Aktion zu danken! Und alle freuen sich schon darauf, dass er wieder kommt.

Montag und Dienstag bleibe ich in Lomé, ich habe einiges hier zu erledigen, unter anderem will ich eine Start-up Firma besuchen, die Solaranlagen baut. Wir brauchen auf dem Dach des Mädchenhauses eine Photovoltaik-Anlage. Der Strom aus der Leitung kostet zu viel!

Ich bin das nächste Mal in Klologo am Mittwoch, da gehe ich in die Real- und die Oberschule; wir besuchen dann auch das Sanitärgebäude für Mädchen. Und mit den Lehrerinnen und Lehrern der Grundschule treffe ich mich auch.

An seinem letzten Tag in Lomé schildert Johannes die Erlebnisse des Vortags, seines (vorerst) letzten Tages in Klologo:

Früh wie immer losgefahren. Waren ca. 10.15 Uhr in Klologo, wo die Mädels alle fleißig den Platz vor dem Mädchenzentrum gefegt und von Müll befreit haben.

Es gibt in Klologo die nette Tradition (weiß nicht, ob die jetzt erst entstanden ist), dass Gäste des Dorfes einen Baum pflanzen. Und so wurde mir und Michel diese Ehre zuteil. Ein schönes Gefühl, ein Andenken hinterlassen zu haben.

Danach ging’s zur Krankenstation, wo der symbolische Scheck über eine Laborgrundausstattung feierlich übergeben werden konnte. Die Familie Auffhammer hat spontan den erforderlichen Betrag gestiftet.Bislang müssen Laboruntersuchungen von der Krankenstation immer zeitaufwendig anderweitig verschickt werden. In Zukunft können entsprechende Untersuchungen vor Ort durchgeführt werden.

Danach ging es wieder mit zahnärztlichen Untersuchungen und Behandlungen los. Diesmal waren noch mehr Leute gekommen. Auch eine Dame, die beim letzten Mal aus Angst vor Schmerzen noch gekniffen hatte, ist heute wieder erschienen. Anscheinend hat sich rumgesprochen, dass Zähne ziehen bei mir schmerzfrei abläuft, und so hat sie sich dann doch einen eitrigen Weisheitszahn entfernen lassen.

Die Behandlungen unter diesen Umständen sind extrem anstrengend und dementsprechend schweißtreibend. Da die Patienten im Sitzen statt im Liegen behandelt werden, hat sich mein Rücken deutlich bemerkbar gemacht. Dann fehlt natürlich eine Assistenz. Dann muss man alleine ein Mindestmaß an Hygiene aufrechterhalten und zwischen den Patienten alles reinigen und desinfizieren. Eine Krankenstation ohne fließendes Wasser ist eigentlich ein Unding! Da müssen wir vielleicht tatsächlich mal gucken, ob man da was machen kann.

Nach fast vier Stunden musste ich mich erstmal umziehen.

Naja, und dann drohte schon langsamdas Lebewohl sagen loszugehen.

Séraphin und Nicolas waren auch mit bei der Krankenstation, und so habe ich mich von ihnen bereits verabschiedet.

Zurück am Mädchenzentrum trieben sich die “project girls” in der Gegend rum. Nachdem Michel noch ein Gespräch zu führen hatte, und ich an dem Tag noch nichts gegessen hatte, fuhren Pierre, Rosaline, Delphine und ich zu einem nahen Markt, um Kokosnüsse zu trinken und zu essen. Allerdings sind wir nicht fündig geworden. Trotzdem war der Markt einen Besuch wert, weil’s dort ganz besonders quirlig zuging. Wunderbar.

Also fuhren wir unverrichteter Dinge zurück nach Klologo, wo dann natürlich die erste Verabschiedungsrunde losging.

Nachdem Madeleine nicht da war und sie nicht weit entfernt wohnt, ist die ganze Meute zu ihr rüber gezogen. Wir haben sie an der Wasserstelle angetroffen. Da gab’s dann natürlich auch eine Serie Abschiedsfotos.

Madeleine lächelt ja eigentlich nie 😆Aber auf dem Abschiedsfoto hat sie mir ein für ihre Verhältnisse wunderbares Lächeln geschenkt 🤗

Zurück am Mädchenzentrum hab‘ ich allen ein kleines finanzielles Abschiedsgeschenk überreicht und manche einschließlich meiner einer hat die eine oder andere Träne verdrückt. Eine letzte Umarmungsrunde, und dann sind wir halt gestartet.

Besonders leidgetan hat mir, dass Toutouvie zum Schluss nicht mehr dabei war.

Ich hab‘ sie am Abend von Lomé aus mit einem Video-Anruf über WhatsApp erreicht. Da musste sie auch weinen.

Obwohl sie und Delphine sich anfangs manchmal mehr, als mir als kühlemMitteleuropäer lieb war, an mich drangehängt haben, so sind es doch genau die beiden, die mir im Laufe der Zeit am meisten ans Herz gewachsen sind.

Tja, das ist das Problem, wenn man nicht einfach nur ein geographisches Stück Landkarte bereist, sondern bei Menschen zu Gast ist, sie persönlich kennenlernt und sowas wie Freundschaften schließt – man lässt immer was zurück.

Die einzige Lösung ist, irgendwann wieder hinzureisen. Ich hab‘ das mit anderen Flecken auf der Welt auch schon praktiziert. Wenn man ein zweites Mal da war, entsteht das Gefühl, jederzeit dahin zu können. Es rückt in den “normalen” Erreichbarkeitsbereich, und der “Trennungsschmerz” weicht der Freude auf ein Wiedersehen.

So beeindruckt von den Erlebnissen und Gefühlen, sah ich mich nach Rosalines Abendessen gestern abend emotional nicht in der Lage, gleich den Tagesbericht zu schreiben. Stattdessen saß ich auf der Terrasse und konnte nur so vor mich hin sinnieren über all das Erlebte, bis mich die Müdigkeit ins Bett trieb.

Freitag, 24. September – Johannes‘ Abschied

Der gestrige Donnerstag stand ganz unter dem Zeichen des Abschieds von Johannes, der heute zurück nach Deutschland fliegt.

Auf dem Programm bei unserem letzten gemeinsamen Tag in Klologo stand die Scheckübergabe für das Labor der kleinen Klinik (Centre de Santé), das Pflanzen der Bäume – die Jack-Frucht ist sehr nahrhaft und macht so den Baum zum Symbol des Lebens, des Überlebens.

In der “Zahnklinik“ waren mehr Patienten, als Johannes behandeln konnte, leider! Alle waren zum ersten Mal bei einem Zahnarzt; das Alter der Patientinnen und Patienten reichte von 23 bis 75. Johannes hat am Schluss alle Materialien, die noch übrig waren (Kanülen etc.) dem Centre de Santé überlassen. 

Das Treffen mit dem Kirchenvorstand: Man dankte uns für alles, was wir für das Dorf tun. Die Kirche in Klologo hat auch einige Anliegen an uns – wir werden das im Vereinsvorstand besprechen, ob wir daraus die nächsten Projekte machen.

Dann ein spontaner Besuch bei Esther, der Schneiderin, deren Ausbildung unser Verein zahlt. Sie näht die waschbaren Binden zusammen, die sie schon zugeschnitten bekommen hat. (Der Firma Sommermann aus Bobengrün sei Dank!) 

Dabei hat sich herausgestellt, dass Nicolas, der Präsident des CVD, von Beruf Lehrer, in seiner Freizeit gerne näht – er wird sich beteiligen! 

Ja, und dann gab es einen sehr herzlichen und auch sehr emotionalen Abschied. 

Donnerstag, 23. September – wieder Zahn-Sprechstunde

Wir sind heute wieder in Klologo; Johannes bietet noch einmal seine Sprechstunde an. Am Centre de Santéwerde ich zuvor den symbolischen Scheck für die Anschaffung des Labors überreichen. Und dann dürfen wir jeder einen Baum pflanzen! 

Das ist eine neue Tradition in Klologo: Besucher pflanzen einen Baum. Man entschied sich für den Baum der Jackfrucht, der mit seinen sehr großen Früchten das Leben symbolisiert. 

Einen Baum pflanzen

Es gibt eine neue Tradition in Klologo: Besucher pflanzen einen Baum. Man entschied sich für den Baum der Jackfrucht, der mit seinen sehr großen Früchten das Leben symbolisiert. 

Johannes und ich dürfen jeder einen Baum pflanzen!

Nach den Zahnbehandlungen will sich der Kirchenvorstand mit uns treffen – sie wollen uns etwas genauer kennenlernen. 

Und die Jungs?

Kekeli Togo hat mit dem Mädchen-Projekt die Weichen gestellt für eine bessere Zukunft der Mädchen. Aber wir vergessen die Jungs nicht! Wir haben eine großzügige Spende bekommen, um Sport-Artikel für die Buben zu kaufen. 

Ich habe vor allem Artikel zum Training gekauft und auch Leibchen, damit die sich zum Training in zwei Teams aufteilen können, sowie Fußbälle von guter Qualität, die auch etwas aushalten. Die Fußball-Mannschaft von Klologo wird die Spenden am Sonntag entgegennehmen, da treffe ich eine Abordnung aus dem Verein sowie Trainer und andere Verantwortliche. 

Für alle

Dass unser Mädchenprojekt letzten Endes dem gesamten Dorf zugutekommt, weil ein anderer Ton herrscht – sie werden mehr geachtet – und selbstbewusste Mädchen heranwachsen, die im Dorf etwas bewirken können, wissen die Menschen in Klologo. Und sie wissen es zu schätzen.

Übrigens: Die Jungs, berichtet die Hebamme, sind sehr interessiert an den Kondomen, die sie verteilt. Die Verhütung ist ja nicht nur für die Mädchen bestimmt, auch für die Knaben. Und auch für die Mütter… 

Das große Festessen

Weil jemand nachfragte: Es gab Reis, Spaghetti, Sauce mit Hühnchen, Sauce mit gebratenem Schweinefleisch, Ablo, etc., etc., und verschiedene Getränke vom Limo bis zum Schnaps – und natürlich hat Kekeli Togo alle Kosten des Dorffestes zur Einweihung der drei Bauten selbst getragen, das Dorf war selbstverständlich unser Gast. 

Schulsachen, Binden

In Lomé habe ich gestern Schulsachen gekauft, Lehrbücher etc.: Das wird am Samstag an besonders bedürftige Schulkinder verteilt. Ebenso verteilt die Hebamme die waschbaren Binden sowie Menstruationstassen an die Mädchen im Teenager-Alter.

„Unsere“ Lehrlinge

Die sieben Lehrlinge, deren Ausbildung wir zahlen, dürfen ein Konto eröffnen, und wir geben ihnen einen kleinen Betrag für etwaige Ausgaben, Aktivitäten etc. 

Kodjo (Schreiner-Handwerk), der Sprecher der Gruppe, ist sehr engagiert und hat viel Geschick, die Gruppe zusammenzuhalten, das dient jedem.

Klologo dankt uns

Heute bleiben wir in Lomé, wir haben hier einiges zu organisieren, unter andrem braucht Johannes einen PCR Test, er fliegt am Freitag wieder zurück. Leider!

Morgen macht er noch einmal Zahn-Sprechstunde in Klologo, das Echo war groß, der Bedarf  ist da! 

Ein Fest des Dankes 

Die Einweihungsfeier wurde zu einem wahren Festtag für das ganze Dorf. Der Chef du Village, die Schulleiter, der Vertreter der Bezirks-Schulrätin, der Leiter des CVD, die Leitern des Mädchen-Komitees, eine Vertreterin des Mädchen-Teams, alle waren in ihren Grußworten voll des Dankes für alles, was Kekeli Togo in relativ kurzer Zeit im Dorf auf die Beine gestellt hat. Wir von Kekeli hätten unsere Versprechen eingehalten, selbst in Zeiten der Pandemie.

Er finde keine Worte, die seine Dankbarkeit ausdrücken könnten, sagte der Chef du Village; er werde immer auf unserer Seite sein. Er sei auch stolz auf uns, und die Chefs anderer Ort beneiden ihn.

„Ihr sollt auch mal Chefin sein, Premierministerin, eine selbstbewusste Frau, die ihren Beitrag zur Gesellschaft leistet“, sprach der Schulamts-Vertreter die Mädchen direkt an: „Das wird jetzt von euch erwartet, und das könnt ihr!“ 

Mit einer kleinen Abordnung an Honoratioren besichtigte ich dann die neue WC Anlage und das Sanitärgebäude für Mädchen sowie zwei neue Wasserstellen. 

Dann ging es ins Mädchenhaus, wo ich die Hebamme vorstellte und darauf hinwies, dass die Kontrazeptiva für alle Dorfbewohner zur Verfügung stehen. Und dann gab es das große Festessen. Es war ein sehr schönes, freudiges Fest.

Die Ziele von Kekeli Togo

In meiner Rede war es mir wichtig, die Ziele, die wir mit all unseren Projekten verfolgen, darzustellen.

Der Tag sei ein Tag zum Feiern für unser Projekt zur Förderung und zum Schutz von Mädchen in Klologo. Sie sollten die gleichen Rechte wie Jungen haben, insbesondere die gleichen Chancen auf Bildung und Arbeit. 

Unsere Projekte haben dazu beigetragen.

Erstens haben wir mit unseren Brunnen und Latrinen die Hygiene verbessert, und die Mädchen sind hoffentlich weniger krank. Dank unserer Mikrofinanzierung können einige Familien ihren Lebensunterhalt besser bestreiten, so dass auch mehr Geld vorhanden ist, um Mädchen länger zur Schule zu schicken. 

Dann kam das eigentliche Mädchenprojekt, das sich auf folgende Säulen stützt: Das Komitee zum Schutz und zur Förderung junger Mädchen unterstützt die Mädchen und lehrt sie Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. 

Die Sexualerziehung zeigt ihnen, wie sie frühe Schwangerschaften vermeiden können, die in der Regel zu einem Schulabbruch führen. Hormonelle und nicht-hormonelle Verhütungsmittel werden angeboten, auch für Jungen! Unser Hygienekonzept gegen Menstruationsdiskriminierung bedeutet, dass sie nicht mehr wegen der weiblichen Hormonprozesse die Schule schwänzen müssen… 

Der Sanitärkomplex für die Mädchen war uns ein besonderes Anliegen – wir wollen, dass die Mädchen dort auch unter sich sein können. Das Mädchenhaus – ein Haus, das wir renoviert und restauriert haben – dient als Begegnungs- und Ausbildungsstätte; sie sind unter sich, sie werden beschützt, behütet und gefördert. Die Mädchen nennen es Azoli yéyé, ein sehr schöner, zukunftsweisender Name, ein Name, der unser Mädchenprogramm auf den Punkt bringt. 

Wir haben einer Gruppe sehr engagierter Mädchen einen PC-Kurs gegeben; sie können das, was sie gelernt haben, an andere weitergeben. Wir suchen noch nach Spendern für die Installation von Sonnenkollektoren auf dem Dach, damit wir vor Ort kostenlosen Strom haben.

Ich führe Sport- und Gymnastikkurse ein; Johannes Parchent, ein Zahnarzt, verbringt seine Ferien hier, um über Zahnhygiene zu informieren und aufzuklären. 

Weitere Säulen werden folgen. Unser Ziel ist es, dass die Mädchen ihren Schulabschluss oder das Abitur machen und dass sie wie die Jungen einen Beruf wählen können – dass Gleichheit herrscht. Deshalb haben wir die Mädchen unter unsere Fittiche genommen, und alle folgenden Jahrgänge werden ebenfalls von diesen Projekten profitieren. In Klologo wächst eine neue Generation von Mädchen heran – die Mädchen sind bereits selbstbewusster, sie sind stolz auf sich – und ich bin sicher, sie werden ihren Weg machen!

Mittwoch, 22. September- Berichte von der Einweihungsfeier

Johannes schreibt:

Heute ist also der große Tag. Die Einweihungsfeier für die neuen Bauwerke.

Die Corona-Auflagen haben dem ganzen ja einen offiziellen Strich durch die Rechnung gemacht, Michel hat aber die Feier etwas kleiner konzipiert und kurzer Hand ins Mädchenzentrum verlegt, so dass den Auflagen offiziell genüge getan war und wir trotzdem zusammen feiern konnten.

Wir sind bereits früh um kurz nach 6:00 gestartet und haben das für alle Feiergäste in entsprechendem Mengen bestellte Ablo abgeholt. Ein eher süßliches Gericht aus einem schaumig gerührten Teig, der in Förmchen gegossen und im Dampfbad gegart und dadurch fest wird. Man isst trotz des süßen Geschmacks scharfe Soße dazu, wie ja auch bei den Kochbananen.

Als wir in Klologo ankamen, ging das Dorfleben schon langsam los, weil gleichzeitig Markttag war.

Es waren aber nur wenige von den Mädels da. Das hatte einen Grund, wie ich gleich erfahren sollte.

Ines hat mich losgeeist und mitgenommen. Zum Kochen, wie sie sagte. In einem unweit gelegenen Hofum ein Haus, das sich als Madeleines (eine Lehrerin) Anwesen entpuppte, waren etliche Mädels dabei, Monsterportionen von Nudeln, Reis und Soße in riesigen Töpfen zuzubereiten. Die Fotos zeigen da mehr als Worte es beschreiben können. Madeleine war zwar federführend tätig, aber von den Mädels hat jede mit angepackt und wusste genau wie‘s läuft. Immer wieder auch Wasser holen vom nur 100 m entfernten Kekeli-Brunnen, kochen, spülen, wieder anfeuern, alles offenbar tägliche Routine, wo bei uns Jugendliche außer Pizza holen nix zu bieten haben.

Nach der erschöpfenden fotografischen Dokumentationen des Herstellungsprozesses und des begeisterten Posierens der Mädels, bin ich schließlich zum Mädchenzentrum zurück, wo inzwischen eine umfangreiche Bestuhlung für das Publikum und eine Bühne für die Honoratioren und Redner aufgebaut war.

Da ging dann auch schon zügig der offizielle Teil los.

Ich bekam den Ehrenplatz neben dem Dorfältesten.

Séraphin, der ehrenamtliche Koordinator des gesamten Kekeli-Togo-Projekts vor Ort, übernahm die Moderation.

Es waren coronabedingt vielleicht 100-150 Gäste speziell zur Feier da. Da allerdings gleichzeitig Markt war, erschien einem das alles wie ein einziges großes Volksfest.

Zum offiziellen Teil und den Rednern kann ich wenig sagen, denn ich hab‘ ja nix verstanden und nachdem ich mit auf der Bühne saß, hab ich dazu auch keine Fotos.

Wie auch bei uns hat der Redenteil natürlich so seine Längen. Die Zuhörerschaft, zum großen Teil ja junge Leute, war jedoch aufmerksam  bei der Sache.

Schließlich wurden noch die Zertifikate für die Teilnehmerinnen am Computerkurs durch namentliches Aufrufen vergeben.

Anschließend begaben sich die Honoratioren zum offiziellen Einweihungsakt, der wegen Corona halt nicht bei den einzuweihenden Gebäuden, sondern symbolisch am Eingang des Mädchenzentrum stattfand, wo vom Dorfältesten (und einer weiteren offiziellen Person) ein weißes Band feierlich durchschnitten wurde.

Damit war der offizielle Teil beendet und wir gingen nahtlos zum gemütlichen Teil über.

An dieser Stelle muss ich mal einwerfen, dass mit den Menschen, die ich bei jedem Besuch in Klologo getroffen habe, inzwischen ein so vertrautes Verhältnis entstanden ist, dass ich mich in keinster Weise mehr unwohl oder irgendwie überflüssig fühle. Bei etlichen ist die Scheu gewichen, englisch oder sogar deutsch zu sprechen und man spürt ihre ehrliche Freude über unser Kommen. Je näher man sich kennt, desto mehr entsteht einfach ein small talk und Scherze. Ist wirklich nett. Klar sitz man auch mal eine Zeit nur so rum, aber hey, wir sind in Afrika. Das ist geil genug.

Der gemütliche Teil bestand aus einem Festmahl. Gereicht wurde in meinem Raum Reis mit Soße und Hühnchen. Wo das zubereitet worden war, entzieht sich meiner Kenntnis. Dazu gab es Sekt und Wein aus deutschen Landen.

Im zweiten Gang wurde der Reis durch das besagte Ablo ersetzt.

Später wurden Reste an immer noch Hungrige verteilt. Da musste ich dann  schon staunen, welche Portionen in diesen schlanken Menschen verschwunden sind. Aber wenn sonst wohl eher Schmalhans Küchenmeister ist, dann ist so ein Festessen eine Gelegenheit, mal aus dem Vollen zu schöpfen.

Séraphin reicht dann noch einen Likör / Schnaps mit starker fruchtiger Note, wie Michel erklärt, aus Avocado-Blättern. 

Am Tag zuvor, als ich in der Krankenstation zahnärztlich tätig war, lag die Frau von Nicolas im Raum nebenan grade in den Wehen. Nicolas ist Lehrer und spricht etwas englisch und etwas deutsch. Nachdem ich zum Essen neben ihm saß, hab‘ ich mich natürlich nach Mutter und Kind erkundigt. Daraufhin hat er mich nach dem Essen mit zu sich nachhause genommen und hat mir seine Familie vorgestellt. Seine Frau war nach der Entbindung schon wieder ganz fidel beieinander, und dem Baby geht’s gut.

Das war natürlich ein sehr privates und intensives Erlebnis, so dass ich dem neuen Erdenbürgerchen eine kleine finanzielle Starthilfe ins Bettchen gesteckt habe.

Im Zusammenhang mit der ja auch insgesamt so freudigen Stimmung des Tages und dem allgemeinen Marktleben im Dorf muss ich sagen, das war mein intensivster und einfach schönster Tag in Klologo.

Dienstag, 21. September. Die Einweihung!

Drei Bau-Projekte von Kekeli Togo werden heute in Klologo feierlich eingeweiht: zwei Neubauten und eine umfassende Renovierung. Aufgrund der derzeitigen Corona-Beschränkungen im kleinen Rahmen, wie schon berichtet.

Die Neubauten sind: ein WC-Anlage mit zwölf Toiletten-Kabinen mit Wasserspülung zwischen Grundschule und Marktplatz sowie ein Sanitär-Gebäude für Mädchen mit Duschen und WCs sowie Ruheraum zwischen Mittelschule und Gymnasium. Dieser Sanitärkomplex für Mädchen ist Teil des Kekeli Togo Mädchen-Projektes und soll den Mädchen die Hygiene erleichtern, vor allem, wenn sie ihre Periode haben. Bislang konnten sie da oft nicht zur Schule, weil Hygieneartikel fehlten. Waschbare Binden, die hier in Deutschland gespendet wurden (von Firmen, aber auch von Privat genäht) werden wir verteilen. In Zukunft sollen sie von Schneiderinnen aus dem Ort genäht werden.  

Auch die Renovierung eines Hauses, das der Chef du Village uns überließ –das Dach war eingefallen – gehört zum Mädchenprojekt: Es steht dem örtlichen Komitee, das die Mädchen betreut, und den Mädchen als Treffpunkt und Schulungsort und Zentrum zur Verfügung. Die Mädchen sind begeistert von ihrem neuen Zuhause und nennen es Azoli yéyé (neuer Marsch, Aufbruch). Für die offizielle Einweihung wurde das Haus liebevoll geschmückt.

Für das Sanitärgebäude für Mädchen und die WC-Anlage an der Grundschule konnte Kekeli Togo Spenden von Stiftungen entgegennehmen, wobei immer ein Anteil auch vom Verein selbst zu tragen ist. Die Kosten für die Renovierung des Hauses übernahm ein Vereinsmitglied. 

Fotos und Bericht über die Einweihungsfeier folgen morgen.

Johannes berichtet vom Behandlungstag in Klologo am Montag

Johannes berichtet vom Behandlungstag in Klologo am Montag:

Heute endlich wieder nach Klologo. Von unterwegs hat mich schon Toutouvie angerufen, wann wir denn kommen.

Als wir eintreffen, sind die Mädels schon alle da. Natürlich werde ich freudig und teils stürmisch begrüßt, nachdem ich jetzt eine ganze Zeit nicht da gewesen war.

Im „Vereinsheim“ – so nenne ich das Mädchenzentrum –  ist schon alles hergerichtet und geschmückt.

Michel hatte mit den Mädels einen Formationstanz einstudiert, der kurz mal an-getestet wird.

Dann fahren wir zur Krankenstation, wo ich heute zahnärztliche Untersuchungen und Behandlungen anbiete. Nachdem wir mit einer Stunde Verspätung eingetroffen sind, waren die Patienten erst mal wieder gegangen, kamen aber dann wieder.

Etliche kamen auch ohne Beschwerden einfach mal zur Kontrolle, was mich sehr gefreut hat.

Bei etlichen ist aber auch ein nicht zu unterschätzender Behandlungsbedarf vorhanden, den ich mit den begrenzten Mitteln und ohne technische Geräte leider nicht ausreichend bedienen kann.

So musste ich mich auf einige unumgängliche Extraktionen beschränken.

Die Patienten waren alle zum ersten Mal in ihrem Leben beim Zahnarzt.

Es gibt trotzdem keinerlei Zimperlichkeit. Während es in Deutschland bei jeder Spritze Stöhnen und Wehklagen gibt, nimmt man das hier  regungslos hin.

Abenteuerlich ist das für mich aber auch. Hygiene ohne fließendes Wasser ist schon eine Herausforderung.

Außerdem merkt man erst, was man unter diesen Umständen noch alles an Equipment hätte brauchen können.

Michel hat neben seiner Aufgabe als Dolmetscher auch den Job der Zahnarzthelferin mit übernommen. Ich würde ihn in meiner Praxis in Hof sofort einstellen.

Nach getaner Arbeit haben wir uns mit Kokosnüssen gestärkt.

Am Nachmittag wollte Michel mit dem  neuen Beamer noch einen Aufklärungsfilm zum Thema Menstruationshygiene zeigen, was leider an der nicht ausreichenden Video-Leistung des zur Verfügung stehenden Computers gescheitert ist.

Da wir heimwärts noch bei Rosaline vorbeifahren mussten, sind wir zurück eine andere Strecke als die übliche Küstenstraße gefahren, also durchs „Landesinnere“. Alles wunderschön üppig grün. Durch den  nahen Togosee gibt es Wasser im Überfluss und viele Feuchtgebiete. Entsprechend intensiv ist die landwirtschaftliche Nutzung.

In Lomé, ein Stück von Rosalines Wohnung entfernt, sind Michel und ich ausgestiegen  den Rest gelaufen. Auch über den so genannten Neuen Großen Markt, der bald noch trubeliger ist als der im Zentrum.

Kurz vor unserem Ziel ist Michel mit mir nochmal um den Block gegangen und hat mir u. A. die Schule des Viertels gezeigt. In diesem Viertel ist Michel ja auch aufgewachsen, allerdings in eine andere Schule gegangen.

Bei Rosaline angekommen, haben wir schnell alle Schwestern, Nichten und die zugehörige Kinderschar begrüßt und sind dann zu unserem Stammquartier gefahren, wo es noch ein Abendessen aus Rosalines Kochkünsten gab. Als neue Besonderheit zum Dessert einen Tapiokabrei, der wohl auch gern zum Frühstück genommen wird. 😋

Ihr merkt schon, mein Appetit ist zurück

Heute: Zahnbehandlung

Endlich können wir mit den Zahnbehandlungen beginnen. Der Chef du Village hat gestern ausrufen lassen, dass es heute Zahnbehandlungen gibt: Treffpunkt ab zehn Uhr beim  Centre de Santé. Ich werde als Dolmetscher dabei sein. 

Ich habe gestern einiges nach Klologo transportiert, unter anderem die Leinwand für den Beamer, den wir dem Dorf geschenkt haben. „Es gibt Kino“ freuten sich die Leute!

Nun sind auch die Corona-Selbst-Tests in Klologo, die wir morgen vor der Einweihung an alle Erwachsenen verteilen. 

Im Centre Azoli yéyé habe ich mit den Mädchen ein wenig getanzt – siehe Video. Sie kennen diese Art Tanz nicht; sie haben es gut gemacht. Und mit viel Freude, wie man sieht.

Montag, 20. September

Johannes berichtet von seinem Sonntag:

In Lomé unterwegs 

War schon früh wach und hab auf der Terrasse einen Kaffee getrunken.

Irgendwie hab‘ ich mich hinterher nochmal aufs Bett gelegt, bin nochmal weggeknackt und erst um halb zehn wieder aufgewacht. Dann erst hab‘ ich was gefrühstückt und wir haben allgemein bissi gequatscht. Aus Gründen der aktuellen Corona-Auflagen durften keine Gottesdienste stattfinden, sonst wären wir in die Kirche von Rosalines Heimatgemeinde gefahren, die wohl für Action, Tanz und Gesang im Gottesdienst bekannt ist.

Michel ist natürlich auch ein Kenner der Verflechtungen afrikanischer und internationaler Politik und Wirtschaft mit all ihren strukturellen und ausbeuterischen Ursachen für die allzu oft desolate Situation sehr vieler afrikanischer Staaten. Da geht einem in einem solchen Gespräch bisweilen erst ein Licht auf.

Später kam Michels Bruder Christian vorbei, der ja auf Klosterurlaub ist. In Zivil und mit Maske musste ich zweimal hinschauen, um ihn zu erkennen.

Michel wollte mit seinen Geschwistern eine Tante besuchen.

Ich habe mich am frühen Nachmittag von Pierre in einen Nachbarstadtteil am Stadtrand bringen lassen. Pierre hat an jeder Ecke gefragt, wo er denn hin muss, bis er schließlich meinen GPS-Anweisungen Glauben geschenkt hat. 😆 Wunder der Technik!

Ich suche mir häufig auf Google Maps einfach eine Gegend aus, die am Satellitenbild interessant aussieht und fahre dahin. Klappt immer – und so hab‘ ich’s da eben auch gemacht. An den Rand eines Grüngebietes. Pierre wollte mich nicht einfach absetzen, sondern unbedingt auf mich warten, während ich aber unbedingt zu Fuß nach Hause laufen wollte. Und so musste ich erst Michel anrufen, damit er Pierre das ausredet, auf mich zu warten.

Bootsfahrt im Sumpf

Das Grüngebiet entpuppte sich als Sumpfgebiet, und die erkennbaren Wege waren Kanäle, auf denen mit Booten Passagiere und Ladung an den zwei Kilometer entfernte gegenüberliegenden Ufer gebracht wurden. An solchen Stellen ist natürlich immer ein entsprechender Trubel. Man hat mich allseits beäugt und ich habe mich als Jama (Deutscher) vorgestellt, was wie immer zu freundlichen Reaktionen führte. Ein junger Mann unter den Ruderern hat die Situation gleich durchschaut, dass ich natürlich keinen Transport auf die andere Seite wollte, hat mich kurzerhand allein in ein Boot gesetzt und ist mit mir los. Sehr nett!

Landschaftlich ganz wunderbar, das üppige Grün und die Wasserkanäle.Nach einer kleinen Rundfahrt dachte ich mir, sonst sitzen da zehn Leute im Boot, ich war allein, muss ich natürlich im Preis berücksichtigen. Darüber war er sehr erstaunt und natürlich auch erfreut.

Dann hab‘ ich mich auf den Rückweg gemacht durch einen abgelegenen Stadtteil ohne asphaltierte Straßen, die aber trotzdem sehr weitläufig angelegt sind. Unterwegs hab‘ ich eine Kokosnuss verzehrt und bin auf einen Markt gestoßen. Nach ca. zwei Stunden war ich wieder zuhause, und Pierre war erstaunt, dass ich alleine überlebt hatte.

Michel hat am Nachmittag eine Fuhre Ladung nach Klologo geschafft, weil ihm grade ein Van zur Verfügung stand.

Und am Strand

Ich bin nach einer kurzen Nachmittagsruhe ein Stück gefahren und habe einen anderen Strandabschnitt besucht, wo am Sonntag enorm viel los war, auch in den vielen Strandbars, die während der Woche offenbar alle zu sind.

Abends kamen Rosaline und Pierre zurück, um mich mit einem Abendessen zu verwöhnen, das Rosaline meinem Magen zuliebe noch etwas gemäßigter gewürzt und auf Vegetarisches beschränkt hat.

Danach hab‘ ich mich noch mit Koffi getroffen, einem Halbghanaer, den ich letzte Woche kennengelernt hatte, und der Englisch spricht. Ganz lustiger Typ, sehr extrovertiert und er kennt ein paar Deutsche, die in Baguida leben. Einen davon hab‘ ich jetzt auch bei einem Bierchen kennengelernt. Danach gings in die Falle, denn morgen wollen wir schon frühzeitig in Klologo sein. War ja jetzt nach Klosteraufenhalt und gesundheitlichen Ausfällen schon einige Tage nicht mehr dort.